Geschichte, Religion

Der Heilige Lupus (Saint Loup) (395-479)

Lupus, der aus einer galloromanischen Familie aus Ostfrankreich stammte und Bischof geworden war, soll 429 die Mission gehabt haben, den Bischof von Auxerre nach Großbritannien zu begleiten, um dort die Häresie zu bekämpfen, eine Aufgabe, die er dank seiner bemerkenswerten Redekunst erfolgreich erfüllt haben soll. Sein größter Erfolg jedoch bleibt sein Sieg über den furchterregenden Hunnenführer Attila, den er davon überzeugte, Troyes zu verschonen, indem er sich höchstpersönlich bereiterklärte, den Chef der Barbaren bis zu den Ufern des Rheins zu begleiten. Er soll nach 52-jähriger Amtszeit als Bischof als verehrte Persönlichkeit gestorben sein.

Hastings, der normannische Pirat... aus Troyes (9. Jahrhundert)

Hastings kam in einer bescheidenen Bauernfamilie in der Diözese Troyes zur Welt. Als Erwachsener lässt er seine Wurzeln hinter sich und wird Söldner im Dienste der Normannen. Schon bald erlangt er traurige Berühmtheit, so sehr, dass ihm König Karl III., auch „Karl der Dicke“ genannt, im Gegenzug für eine Waffenruhe die Grafschaft Blois anbietet. Der Räuber nutzt diese nicht lange: ein paar Jahre später verkauft er seine Ländereien, um wieder frei zu sein, durch die große weite Welt zu ziehen.

Raschi (1040-1105)

SALOMO BEN ISAAK, bekannter unter dem Akronym RASCHI, RAbbi SCHlomo Sohn von Isaak, wurde im Jahr 1040 in Troyes geboren.

Raschi verbringt seine jungen Jahre in Troyes, dann bricht er für ungefähr zehn Jahre ins Rheinland auf. Dort besucht er die Talmudschulen von Mainz und Worms. Zurück in seiner Heimatstadt gründet Raschi im Alter von fünfundzwanzig Jahren seine eigene Talmudschule. Raschi stirbt am 13. Juli 1105 im Alter von fünfundsechzig Jahren in Troyes.

Noch heute wird Raschi als maßgeblicher Kommentator der Torah angesehen. Seine Werke verbreiteten sich schon ab der Generation seiner Schüler und sind für ihre pädagogischen Vorzüge sowohl in den jüdischen als auch in den christlichen Gemeinden anerkannt. Sein Werk ist außerdem ein Zeugnis des mittelalterlichen Lebens, der Sitten und Gebräuche der damaligen Epoche.

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Hugues de Payns, Gründer des Ordens der Tempelritter (1070-1136)

Er stammt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Troyes und nimmt 1095 am ersten Kreuzzug teil. 1114 bricht er definitiv ins Heilige Land auf, wo er mit sieben weiteren Gefährten den Orden der Armen Ritterschaft Christi gründet, der die Pilger beschützen soll. Am 13. Januar 1129 genehmigt das Konzil von Troyes in der Kathedrale von Troyes unter der Führung des Bernhard von Clairvaux den Orden der Tempelritter. Der Ordenskult soll bis ins 13. Jahrhundert fortbestanden haben.

Bernhard von Clairvaux (1090-1153)

1112 tritt er in die von Robert de Molesme gegründete Abtei von Cîteaux ein. Ihr Abt Étienne Harding stellt ihn 1115 an die Spitze einer Gruppe von Mönchen, um ein neues Zisterzienserhaus im Langres-Tal zu gründen. Erst „claire vallée“ („helles Tal“) genannt, wurde daraus „Clairvaux“ in der Aube. Bernhard wird zum Abt dieser neuen Abtei gewählt, deren Anfänge schwierig sind, da die vorgeschriebene Disziplin sehr hart ist. Im Jahr 1129 lässt er bei einem Konzil in der Kathedrale von Troyes den Templerorden genehmigen. Der heilige Bernhard gründet 72 Klöster, die in ganz Europa verteilt sind: 35 in Frankreich, 14 in Spanien, 10 in England und Irland, 6 in Flandern, 4 in Italien, 4 in Dänemark, 2 in Schweden und 1 in Ungarn.

1151, zwei Jahre vor seinem Tod, gibt es 500 Zisterzienserabteien und Clairvaux zählt 700 Mönche.

Héloïse (1101-1164) und Abélard (1079-1142)

Dem 40-jährigen Abélard, Lehrer und Philosoph in Paris, vertraut Domherr Fulbert, der Onkel von Héloïse, die Erziehung des 18-jährigen Mädchens an. Als brillanter Verführer gewinnt er die Gunst seiner Schülerin. Ein Kind geht aus ihrer Verbindung hervor. Trotz einer geheimen Hochzeit erleben sie bald die Qualen der Trennung, denn ihre Verbindung schürt den Zorn des Onkels Fulbert, der sich rächt, indem er den Schwerenöter entmannen lässt. Diese schreckliche Strafe setzt ihrem gemeinsamen Leben ein Ende und trennt sie, ohne dass das Feuer ihrer Liebe, insbesondere bei Héloïse, erlischt. Abélard, aus Paris verjagt, führt ein rastloses Leben, das ihn in die Champagne führt. Unter den schweren Verwünschungen des heiligen Bernhards lebt er als Eremit in einem wilden Tal. Dort, in der Nähe von Nogent-sur-Seine, gründet er die Abtei Le Paraclet und macht aus Héloïse die erste Äbtissin. Das wird sie 33 Jahre lang bleiben, bis zu ihrem Tod im Jahr 1164. Ihr Körper wurde zum Paraclet gebracht, wo sie 22 Jahre nach Abélard in seinem Grab beigesetzt wurde. Im Laufe der Baumaßnahmen wandern ihre sterblichen Überreste erst in die Krypta im Herzen der Kirche, dann, 1877, auf den Friedhof Père Lachaise in Paris.

Papst Urban IV. (1185-1264)

Geburtsname: Jacques Pantaléon. Der mit bürgerlichem Namen Jacques Pantaléon hieß, war der Sohn eines Schuhflickers aus Troyes, dessen Verkaufsstand sich auf dem heutigen Standort der Basilika befand, die zu seinem Gedenken errichtet wurde und die seinen Namen trägt.

Am 29. August 1261 im Alter von 76 Jahren zum Papst gewählt, ist er der erste französische Papst seit Silvester II. (dem Gelehrten Gerbert) und Urban II. Im Jahr seines Todes, 1264, führt er das Allgemeine Kirchenfest ein, aus dem später Fronleichnam wird (das 60 Tage nach Ostern gefeiert wird). Dieses Fest war 1264 schon in Lüttich (Belgien) unter dem Namen „Saint-Sacrement“ gefeiert worden. Seine sterblichen Überreste wurden 1935 von Italien (Perugia) in die Kirche zurückgebracht, die 1964 zur Basilica minor erhoben wurde, d.h. zur päpstlichen Kirche, wie Lisieux, Lourdes, Saint-Denis, die Sacré-Cœur in Paris usw.

Jean de Joinville (1224-1317)

Adliger aus der Champagne und Biograf Ludwigs des Heiligen. Der Seneschall der Champagne, der ein sehr frommer Mann war, begleitete 1241 seinen Herrn Theobald IV. der Champagne an den Hof des französischen Königs Ludwig IX. (später Ludwig der Heilige). Als dieser 1244 einen siebten Kreuzzug organisiert, entscheidet sich Joinville, sich den christlichen Rittern anzuschließen, tritt in den Dienst des Königs und wird sein Berater und Vertrauter. Er starb im ehrwürdigen Alter von 93 Jahren !

Marguerite Bourgeoys (1620-1700)

Sie tritt mit 18 Jahren in den Orden ein, dann bricht sie 1653 nach Neufrankreich (Kanada) auf, wo sie 1658 die Congrégation de Notre-Dame gründen wird, die erste Mädchenschule von Ville-Marie (dem späteren Montréal). 1982 wurde sie von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Sie war eine Zeitgenossin des Sieur Chomedey de Maisonneuve, Gründer von Ville-Marie.

Das Museum „Centre culturel Marguerite Bourgeoys“ in der Rue Clémenceau in Troyes erzählt von ihrem Leben und Wirken.

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Leonie Aviat (1844 -1914)

Léonie Aviat oder Schwester Leonie Franziska Salesia Aviat gründete zusammen mit dem Priester Louis Brisson dieOrdensgemeinschaft der Oblatinnen des Heiligen Franz von Sales. Sie studierte in der Visitation von Troyes. Nach ihrer Ausbildung an der Schule des Heiligen Franz von Sales, wurde die junge Gründerin der Ordensgemeinschaft der salesianischen Spiritualität 1868 Ordensschwester und trug von nun an den Ordensnamen Franziska Salesia. Sie starb am 10. Januar 1914 in der italienischen Stadt Perugia (genau wie Urban IV., Papst aus Troyes). Nach ihrer Seligsprechung im Jahr 1992, wurde sie am 25. November 2001 von Papst Johannes-Paul II. heilig gesprochen.