In diesem Viertel fanden ab dem 12. Jh. die berühmten Champagnemessen statt, die der Stadt ihren Wohlstand einbrachten. Sie wurden von den Grafen der Champagne gefördert und zogen Kaufleute aus ganz Europa an. 1137 wurden mit den „Conduit des foires“ feste Regeln eingeführt, die den Händlern jeglicher Herkunft im Schadensfall – selbst außerhalb ihrer Gebiete – Entschädigungen zusicherten.

 Die Champagnemessen fanden mehrmals pro Jahr an festen Tagen in Lagny, Bar-sur-Aube, Provins und Troyes statt. Am Johannistag (Juni) wurde in Troyes die „Heiße Messe“ und am Remigiustag (Oktober) die „Kalte Messe“ abgehalten. Die Messen dauerten mehrere Wochen und waren vor allem um die Kirche Saint-Jean-au-Marché angesiedelt.

Man verkaufte Tuchwaren aller Art, z. B. Woll- und Seidenstoffe und Färbemittel. Die einheimischen Sattler boten Geschirre und Lederwaren und die Weißgerber feine Lederhäute feil. Steinmetze, Strohlehm-Verputzer, Zimmermänner und Tischler tauschten sich über ihre Handwerkstechniken aus. Neben Edelhölzern und Pelzen fand man lebendige Tiere und Pergament (ab dem 14. Jh. vom aus Lumpen hergestellten Papier verdrängt).

Die Goldschmiede stachen sich gegenseitig mit ihren Schmuckstücken und mechanischen Wunderwerken aus, Töpfer verkauften Keramikwaren zu Spottpreisen, Geldwechsler wogen die verschiedensten Währungen und Schmiede brachten Werkzeuge, Waffen, Schlösser und Schlüssel mit, mitunter von sehr weit her (Schweiz, Spanien…). Wirklich alles konnte man hier kaufen: Stoffe aus Flandern, Korduanleder aus Spanien, Seide und Schlachtrösser aus Italien, Pelze aus Deutschland, orientalische Gewürze aus Südfrankreich, aber auch Fleisch, Getreide, Wein, Kräuter und Heilmittel. Natürlich gab es auch Jongleure und Gaukler, die auf der Bühne ihrJahrmarktsspektakel aufführten.

Die von der Kirche Saint-Jean ausgehenden Straßen weiteten sich zu Plätzen, wie z. B. die Grand Rue (heute Rue Georges Clemenceau), die Rue de Pontigny (heute Rue de la Monnaie), in der man Pökelfleisch und Brot verkaufte, oder die Rue Neuve d’Orléans (Rue Molé), in der vor allem Tuchmacher, Handschuhmacher, Schuster und Kupferschmiede zu finden waren und die zum heutigen Place Audiffred führt.

Die Rue Émile Zola, die damals teilweise Rue de l’Épicerie und später Rue Notre-Dame hieß, war bereits zu dieser Zeit eine Hauptgeschäftsstraße, in der man Trödel, Gewürze und Geflügel kaufen konnte, und endete im Westen auf dem ausgedehnten „Marché au blé“ (Weizenmarkt), dem heutigen Place Jean Jaurès. Seit den Sanierungsarbeiten, die 2004 in dieser Straße durchgeführt wurden, kommen die wunderschönen Fassaden der Fachwerkhäuser wieder zur Geltung.