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Die Architekturdenkmäler von Troyes erlebten Ende des 20. Jahrhunderts eine regelrechte Wiedergeburt. Und dies vor allem in den vergangenen zwei Jahrzehnten.
Diese Metamorphose durchlief nacheinander verschiedene Phasen – und folgte damit den sich ändernden Ansätzen der Restaurierung, dem wachsenden Wissen und den sich verfeinernden Techniken. Dies lässt sich mit einigen Vorzeigeprojekten illustrieren, die entscheidend in der Geschichte dieser Wiedergeburt waren. Folgt die Geschichte, wie die Raupe sich zum Schmetterling verwandelte.

  • Das Maison du Boulanger an der Kreuzung der Rue Paillot-de-Montabert und der Rue Champeaux. So genannt, weil sich hier vormals eine Bäckerei befand. 1965 war es das erste von der Stadt restaurierte Fachwerkhaus. Heute befindet sich hier der Sitz des städtischen Kulturzentrums. Das Stadtviertel Champeaux ist repräsentativ für die erste Art der Restaurierungen: Holzfachwerk .... holzfarben und ohne Verzierung. Die Straßen sind einheitlich, eine Aufeinanderfolge von Giebelfassaden und auskragenden Fassaden.
  • Das Maison de l‘Orfèvre an der Kreuzung der Rue Champeaux und der Rue Paillot-de-Montabert. Dieses Haus mit seinem berühmten Türmchen war 1969 - 1970 eines der ersten, das von einer Privatperson mit einer städtischen Subvention renoviert wurde.
  • Das Maison des Chanoines an der Kreuzung der Straßen Rue Emile Zola und Rue Turenne. Dieses Haus wurde ursprünglich nicht an dieser Stelle gebaut! Es wurde vollständig ab- und an seinem aktuellen Standort aufgebaut und hat von seinem Umzug eine Merkwürdigkeit behalten: Seine ursprüngliche Eingangstür befindet sich heute in der 1. Etage... Das Haus wurde für einen symbolischen Franken seinem Besitzer abgekauft und die Fassade wurde, um die Ausrichtung der Nachbarhäuser zu respektieren, höher gesetzt. Dies war 1969.
  • Rue Pithou. Diese zu den Markthallen führende Straße war (1975) die erste Fußgängerzone in der Geschichte von Troyes. Die schrittweise Umwandlung der alten Gassen im Stadtzentrum in Fußgängerzonen hat die Restaurierung der Architekturdenkmäler erst richtig Sinn gegeben. Troyes hat sich sogar getraut, den Autos den Zugang zu seiner wichtigsten Einkaufsstraße, die eine der wichtigsten Durchgangsstraßen war, zu verweigern - der Rue Emile Zola!
  • Rue Passerat. Die Restaurierung 1978 der aneinandergrenzenden Häuser bringt eine technische Innovation in der Renovierungstechnik mit sich: Die Leerräume des Holzfachwerks werden mit Ziegeln ausgemauert. Das traditionelle Füllmaterial war Strohlehm, eine Mischung aus Stroh und Lehm, in das damals noch Kuh- oder Rosshaare oder sogar Pferdeäpfel gemischt wurde. Eine der Häuser der Rue Passerat ist auch für seine mit Holzschindeln bedeckte Fassade bemerkenswert. Diese Holzschindeln waren ein Witterungsschutz.
  • Rue François-Gentil. Ein erstes Beispiel für eine vollständig restaurierte Straße, die, von 1979 an nicht nur ein bedrohtes Meisterwerk retten sollte, sondern auch der Umsiedlung von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten diente. Sie ist zu einer der schönsten Straßen von Troyes geworden.
  • Cour du Mortier d’Or. Seine zwischen 1979 und 1981 vom Handwerkerverband „Compagnons du Devoir“ durchgeführten Restauration hat diesem Schmuckstück der Renaissance-Architektur in Troyes wieder zu seinem Glanz verholfen.
  • Hôtel du Petit Louvre. Ein Restaurierungsprojekt wagt 1989 zum ersten Mal, ein Fachwerkhaus mit zeitgenössischen Elementen zu kombinieren - einer Art Glasveranda, welche die alte, kokette Dame als Spiegel nutzt.
  • Das Hotel Le Champ des Oiseaux, Rue Linard-Gonthier. Dieses exklusive Hotel ist 1995 das erste Fachwerkhaus, das sich traut, Farben für sein Fachwerk zu verwenden. In der Tat wurden bei Untersuchungen unter dem Verputz auf dem Holz Spuren von Farbpigmenten gefunden, ein Beweis dafür, dass im Mittelalter nicht gezögert wurde, die Holzelemente mit Farbe zu bestreichen. Wir sind sehr weit von dem absolut falschen Bild einer Epoche entfernt, die für dunkel, streng und düster gehalten wird. Das Gegenstück vom Hotel Le Champ des Oiseaux, das Maison de Rhodes, das kurz darauf renoviert wurde, hat sich auch den Farben zugewandt. Die Farben Ocker, Grün, Blau oder auch Gelb sind jetzt gern gesehene Dekorationen bei restaurierten Häuser.
  • Maison du Dauphin, Rue Kléber. Dieses seit seiner Restaurierung in 1997 knallgelbe Haus illustriert uns, wie Troyes höchstwahrscheinlich im 15. Jahrhundert aussah, da es sich in einem Teil der Stadt befindet, der nicht der großen Feuersbrunst von 1524 zum Opfer fiel. Man beachte auch seine schiefe Stellung, ein Merkmal zahlreicher Häuser in Troyes - ein Zeichen dafür, dass Holz arbeitet!
  • Monoprix, Rue Emile-Zola. 1998 wurde die hässliche Metallverkleidung entfernt, hinter der sich die größte Giebelfassade der Stadt versteckte, und dieses Paradestück der Architektur von Troyes restauriert. Alle Blicke konzentrieren sich in der Rue Emile Zola nun auf das ehemalige Prisunic-Geschäft, dass von einer doppelten Reihe von Fachwerkhäusern eingerahmt wird.
  • Hôtel du Lion noir, Rue Emile Zola. Dieses 1997 bei einem Besitzerwechsel zufällig (!) wiederentdeckte Haus hat einen für ein privates Wohnhaus einzigartigen Renaissancestil. Dieses Gebäude ist mit seinem unter Denkmalschutz stehenden Innenhof, seiner Wendeltreppe und seinen überdachten Galerien einer der gelungensten Restaurierungen von Troyes.
  • Rue Kléber. Zwischen 1998 und 2000 wurden drei Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert nach allen Regeln der Kunst von zwei Zimmermännern aus dem Departement Aube wiederaufgebaut. Zum ersten Mal in der Geschichte der Restaurierung von Troyes werden auf dem Verputz dekorative, durch archäologische Spuren auf dem Gebäude historisch belegbare Motive, Rankenmotive und stilisierte Blumen, um genau zu sein, wiedergegeben. Dazu muss gesagt sein, dass die Fassaden der Gebäude in Troyes häufig mit diversen Ornamenten verziert sind: mit Heiligenfiguren, grotesken Figuren, wie man sie an Kathedralen sehen kann, Emblemen, Wappen, Monogrammen, Sinnsprüchen, Inschriften und diversen anderen Motiven.
  • Rue Pierre-Simart, Viertel Saint-Nizier. Ein Ab- und Wiederaufbau, um einen Wohnblock im mittelalterlichen Stil zu rekonstruieren, wobei moderne Holzhäuser (1996) integriert als Hinweis darauf, dass dieses Material sich mit der Zeit neu erfinden kann, dass sich ein Stil entwickeln kann und Troyes keine Museumsstadt ist. Diese Operation wurde 2001 abgeschlossen.

Geschützter Bereich. Die Grenzen dieses Bereichs wurde 1964 festgelegt und 1975 ausgeweitet, der Plan des Schutzes und der Entwicklung (PSMV: Plan de sauvegarde et de mise en valeur) wurde jedoch erst im Jahr 2000 genehmigt und veröffentlicht!
Der PSMV bestimmt die Vorschriften für den Urbanismus, die Architektur und Renovierung, die für Gebäude gelten, die von archäologischem, historischen, architektonischem oder urbanistischem Interesse sind. Er deckt letztendlich den gesamten Champagnerkorken (ungefähr 140 Hektar) ab.