Im Mittelalter besaßen die meisten Städte ein jüdisches Viertel und die Stadt Troyes stellte dabei keine Ausnahme dar. In Troyes hieß das jüdische Viertel „La Broce-aux-Juifs“ und erstreckte sich bis zur Stadtmauer am ehemaligen Grabenbach Ru Cordé, an der Stelle, wo sich heute der Quai des Comtes de Champagne befindet.

Die Rue de la Cité, ehemals Via Agrippa, führte unter einem Stadtmauerturm aus der Stadt hinaus. Dabei passierte man eine Brücke, die im 12. Jh. in Anlehnung an die Bewohner des Viertels „Pont de la Gievrie“ (bzw. Giourie) genannt wurde. Die Rue Boucherat war der galloromanische Cardo und verlief senkrecht zur Via Agrippa.

Ab dem Mittelalter lebte in diesem Viertel eine beachtliche jüdische Gemeinde. Der Rabbiner Schlomo ben Jizchak (Salomon Sohn von Isaak), der meist nur Raschi (1040-1105) genannt wurde, genoss den Schutz der Grafen der Champagne und gründete hier im Jahre 1070 eine berühmte Talmudschule. Raschi, der außerdem als Winzer arbeitete, war der bedeutendste Kommentator der Bibel und des Talmud (Textsammlung der jüdischen Traditionen und rabbinischen Kommentare). In der gewundenen Gasse Ruelle Saint-Frobert befand sich eine romanische Kirche gleichen Namens (heute ein Wohngebäude), an deren Stelle zuvor höchstwahrscheinlich die Synagoge stand, in der Raschi unterrichtete. Das Europäische Universitätsinstitut Rachi (Institut Universitaire Européen Rachi, gegenüber der heutigen Synagoge im Stadtviertel der Madeleine) trägt dazu bei, die Erinnerung an den weltberühmten Gelehrten wachzuhalten.

In den jüdischen Vierteln waren häufig Goldschmiedewerkstätten und Wechselstuben angesiedelt. In Troyes befanden sich die Münzwerkstätten, in denen die Gold- und Silbermünzen, die Denare (Deniers) der Champagne und von Provins geprägt wurden, zwischen der heutigen Rue Boucherat und der Rue Saint-Frobert. Als die Grafen der Champagne im 14. Jh. die französische Krone erbten, wurde Troyes vom König, der 1360 den Franc einführte, zueiner der acht königlichen Münzprägereien ernannt.

In der Nähe der Kirche Saint-Jean wurde in der heutigen Rue de la Monnaie eine neue Prägeanstalt gegründet.

Bei einem Spaziergang durch die bezaubernde Gasse Ruelle du Paon (früher Rue de l’Arche de Noë), die 1986 restauriert wurde, können Sie in Höhe der Hausnummer 16 das Hôtel des Sœurs-Noires entdecken, in dem sich von 1668 bis 1749 eine Jansenisten-Schule befand. Die Fassade des Hauses weist das Schachbrettmuster der Champagne auf, bei dem sich Natur- und Ziegelstein abwechseln.